Sunday, December 20, 2015

Ein letzter (langer) Rückblick aus Bangkok

A.S.:
Ich habe lange nichts geschrieben. (Jetzt habe ich dafür lang geschrieben). Verzeiht. Aber Ihr wisst, dass kann nur heissen, dass ich mit Herz, Seele und Körper unterwegs war. Herz hat zuletzt dominiert, und das ist schön so. Vielleicht habe ich - unerwartet - wie alle Einsichten - noch eine weitere Antwort auf "die grosse Frage" bekommen? "Que bien, que passa algo en ese corazon de piedra." Que bien - wie gut.
Dennoch - oder deshalb - möchte ich die letzten Wochen seit dem bestürzenden Besuch der Killing Fields in Kambodia zusammenfassen. Die Reise abrunden, zumindest im Blog.

Angkor Wat

Die grösste und beeindruckendeste Tempelanlage Südostasiens. Auch recht alt. Im 12. Jhdt fing der Bau an. Ging drei Jahrzente lang. Dann wurden die Tempel jedoch Jahrhunderte lang vernachlässigt, und auch der Krieg und das Rote-Khmer Regime hat nicht viel zur Erhaltung der Anlagen beigetragen. Anlagen ist übrigens nicht übertrieben: Die Tempelruienen erstreckecken sich auf mehr als 1,5 Quadratkilometer. Wir (immernoch und schon wieder der chilenische Webetexter) haben ein dreitages-Ticket gekauft und sind per Fahrrad und Motorrad tatsächlich insgesammt über 15 Stunden durch das weitläufige Terrain gestreunt - in Begleitung von Hunden, Affen, Souvenier-verkaufende Kinder und natürlich einem Schwall weiterer Touristen, die sich aber recht gut in dem grossen Komplex verteilen, bis auf heissbegehrte Sonnenauf- und -untergangs Spots. Schaut euch die Fotos an. Es ist schön. Ich muss jedoch ehrlich gestehen, dass ich die spirituelle (Hinduistisch-Buddhistische), architektonische und historische Bedeutung der Bauten nicht richtig schätzen konnte. Vielleicht hätte ich mich besser einlesen sollen (die  Beschilderung lässt zu wünschen übrig) oder mir einen lokalen Guide leisten. Oder nochmal kommen, wenn ich alt bin, in einem Butique-Hotel in Siem Riep unterkomme und statt des Streetfoods die hochkarätige Seafood-fusion Küche kennen lernen darf.
Interessant war der Ausflug aus Siem Reap Richtug See Tonle Sap, wo wir durch ein heruntergekommenes, penetrant nach faulem Fisch riechendes und zugemülltes Fischerdorf spaziert sind, umgeben von Kindern die teils badeten, teils lächelten und teils bettelten. Der Blick auf den See und die Reisfelder von der Spitze des Phnom Pron Hügels hat den kurzen Aufstieg gelohnt.Wieder: Schaut Euch die Fotos an.

Nach Angkor Wat: Die Inseln.
Drei, an der Zahl. Zunächst bleiben wir, trotz Dollar-Preise in Kambodia.

Koh Rong

Koh Rong im Süden, Bucht von Siam, Fähre aus Shianoukville. Die Insel ist kleiner als ich dachte. Die Fähre trägt keine Autos, das Dorf an dem es anlegt, hat keine Strassen, nicht einmal Motorräder. Hostels, Bars, Restaurants und Resorts säumen die sandige Strandpromenade. Wir laufen links, südlich zum Police Beach, abseits des Rummels, wo wir uns ein gemütliches Bungalow mit Meeresblick leisten. Man lebt nur einmal. Das Highligt der Insel: Nachdem man zu Fuss den steilen Steig einer Halbinsel westwärz überquert, gelangt man zur Long Beach. Ein 7 km langer Streifen der (noch - die Maschienen haben am Südende schon mit Abholzungen begonnen) unbebaut daliegt. Wald, weisser Sand und tuquiseblaues Wasser - Facebook-Profilfoto-verdächtig. Nach einer Stunde Strandspaziergang sehen wir ein, dass wir das Dörfchen im Norden der Bucht, Sok San, nicht vor Sonnenuntergang erreichen würden, und freuen uns über die kleine Bungalowanlage verloren im weissen Sand der Bucht, wo wir Wasservorräte aufstocken können. Nach dem Sonnenuntergang nimmt uns ein Boot rund um die Halbinsel mit zurück. In die 4 $ pro Person haben wir hineinverhandelt, dass wir anhalten um mit leuchtenden Plankton zu schwimmen. Wahnsinns Erlebniss: Schwimmen in der Milchstrasse und über dir leuchten auch Sterne.



Koh Chang

Nach drei Tagen geht es zurück nach Thailand. Koh Chang (die Elefanteninsel) liegt östlich von Bangkok, Richtung Kambodia, und es wird gesagt, dass die Insel ihre Ursprünglichkeit besser erhalten konnte, als die Touristen Hochburgen im Süden. Zunächst - vor allem nach Koh Rong - ist das nicht mein Eindruck. Die nord-östliche Seite, wo die Fähre anlegt (diesmal mit Autos, Motorrädern und Bussen) hat keine sandigen Strände, zumindest keine schönen. Wir mieten uns ein Mofa und gehen auf die Suche. Nord-westliche Strände mit Namen wie "White Beach" und "Paradise Beach" überspringen wir anbetracht der schicken Resorts und dem entsprechend extrapolierten Preisverhältnissen. Strände sind grundsätzlich zugebaut. Bungalow und Hotel Resorts wuchern. Man muss Pfade zwischen ihnen finden um zum Wasser vorzudringen. Doch die Strände sind nie privat, höchstens von den Liegen können dich höfliche Resortangestellte verjagen. Wir schlafen vier Nächte in verschiedenen Bungalows, finden unseren Platz nicht.  Tagsüber klappern wir - mit dem Motorrad über die Achterbahnstrassen entlang bejungelten Hügeln und Bergen - die Strände ab, Nachts gibts Lifekonzerte an der Lonely Beach. Und wunderschöne Sonnenuntergänge. Schlecht ist es auch hier nicht, wir freuen uns unseres Schicksals und unserer letzten Tage zusammen. Andrés (so heisst der chilenische Werbetexter, und wer bis hierher gelesen hat, hat auch das Recht, dies zu erfahren) muss am 13. Dezember aus Bangkok nachhause fliegen. Der letzte Abend auf der Insel ist schon etwas deprimierend. Auch in Bangkok haben wir keine Lust auf Khao San Getöse. Der Flug geht eh frühmorgens...

Koh Pangan

Warum ich - alleine geblieben - unbeding die Party-Insel Thailands als nächstes (und letztes) Ziel ausgesucht habe, weiss ich nicht genau. Koh Tao ist für Taucher, Koh Samui zu gross. Phuket und Co zu weit. Den Besuch in Singapur bei Irisz muss ich aus Zeitgründen absagen. Ich wäre eh mit einer Heul-Stimmung dort angekommen... (zumindest tut sich etwas in diesem Herz aus Stein). Pläne: ich könnte in ein Yoga Retreat für die lezte Woche, doch die Zeit ist knapp für sowas und die Stunden teuer. Ich Couchsurfe bei Birgit Popp, eine Charaker-Braut, über die ich einen eigenen Eintrag schreiben sollte. Sie lebt seit sechs Jahren in Thailand und teilt ihr Bungalow (direkt am Meer) mit ihren drei Katzen und den Couchsurfern, wenn es denn passt. Am Strand lern ich drei deutsche Sunnyboys kennen, statt Jungle-Experience Party penn ich denen aber nach zwei Whisky-Cola weg. Ein Erlebniss ist der Dome: Ein abgefahrenes Hippie-betriebenes Kräuter-Dampfbad mit Lagerfeuer, Tee und Suppe wo ich zwei Abende bis Mitternacht in Tiefenentspannung verbringe. Der letzte Abend, Kontrastprogramm: Birgit arbeitet an der Bar in einer Party in der Beach-Bar Merkabar, schläust mich ein und verhilft mir zu der notwendigen Flüssigkeitsmenge um bis acht Uhr morgens durchzutanzen. Man stellt sich vor: Sonnenaufgang über dem Meer, entspannter Break Beat und Bikini-Models tanzen im Halbrausch auf dem weissen Sand zwischen Pool und Meer, der von weiteren Koktail-schlürfenden Bikini-Models und ihren zugehörigen Kens bevölkert wird. Fehlanzeige: Erstens sind wir auf der Westseite der Insel, somit könnten wir, auch wenn es (zweitens) nicht in Strömen regnen würde keinen aufsteigenden Feuerball beobachten. Nicht so schlimm, der Berliner DJ ist gut, das internationale Party-Volk drängt sich auf der überdachten Tanzfläche denn niemand will im Regen los. Bis um neun Uhr als er etwas nachlässt, doch der Himmel bleibt bewölkt. Gut dass man die Nacht durchgemacht hat, man kann mit gutem Gewissen den Tag verpennen. Bis um vier Uhr Nachmittags, als meine Fähre geht. Zurüch nach Bangkok, aus Strand wird eh nichts mehr.



Es schliesst sich der Kreis: Bangkok.
Nun bin ich wieder hier. Wieder im Flapping Duck Hostel für 3 Euro 50 die Nacht, entsprechend wenig kann ich auf der steinharten Matraze schlafen. Die Stadt pulsiert noch, reizt aber nicht mehr so. Ich bin auf Weihnachtsgeschenke-Jagd. Zwei Tage noch, dann ist der Zauber vorbei.

P.S.:
Es war ein Zauber. Tatsächlich. Und ich schreibe, wie ich anfangs versprochen habe, keinen "Schaut-her-wie-gut-es-mir-geht" Blog. Der Anfang war langsam, zwischendurch ein Down, die Angst und das Hoch während dem Motorradtrip durch Vietnam (Hier steht noch eine - lustvolle - Beichte aus). Doch habe ich lange nicht mehr mit dieser Häufigkeit gedacht was für ein Schweine-Glück und überdurchschnittlich privilegiertes Leben ich habe. Was zwei Monate und zweitausend Euros alles können. Wie oft man beide Ressourcen für so viel Unbedeutenderes verschwendet. Die Menschen, die ich treffen durfte, die Natur, Städte, Tempel, Dörfer. Das Meer, die Sterne (und Schnuppen!), Sonnenauf- und Untergänge (langsam wird's kitschig), die Gefahren und Herausforderungen des alleine Reisens, tägliche kleine Selbstüberwindungen, Entdeckungen, Freuden, tiefe Freuden. Ich hoffe das Gefühl bleibt ein Weilchen in mir lebendig. Trotz europäischem Winter, Einwanderungskrise und ungarischer Politik. Auch sonst hätte es sich gelohnt, aber ich hoffe doch, dass etwas Langfristges bleibt von der Reise; ich hoffe, sie hat mich verändert. Danke an alle, die mir geholfen haben, dies zu erleben (Papa, Mama, Kati, Oma, Andi, Isti, mein Arbeitgeber, Dóri, Benno und allen Freunden für die Tips).

Saturday, November 28, 2015

Killing Fields Cambodia

Did humanity improve since? Has there been any positive change in the world? To use stereotypes: Did we learn from our mistakes? This was the debate developing in the touk-touk driving back to Phnom Penh City after visiting the genocide memorial center Choeung Ek, also known as the killing fields in Cambodia.
It is simply unbelievable, what has happened in this country between 1975 and 1979. 2-3 million people died or were killed, of a population of then 8 million cambodians. Why? A radical communist, Pol Pot and his improvised army of young cambodian countrymen, the Khmer Rouge decided to transform Cambodia into a marxist purely agrarian and entirely selfsufficient society. This meant that all people living in cities, all intellectuals, doctors, anyone speaking a foreign language or having been in contact with foreign institutions was guilty. Hundreds of thousands of people were evacuated from cities and forced to work in fields. Families were torn apart to establish a commune-society. Millions died of starvation and treatable sicknesses, because the rice they harvested was sold to China in exchange for weapons. Tens of thousands were systematically tortured killed and burried in massgraves like the one close to the capital. I wont carry on. Read about it on Wikipedia.
The question is: How could this take place in 1975, when my dad was 31 years old, working for BMW, and the Rocky Horror Picture Show was released in the US? And can this happen again, or - worse - is this happening again?? What is going on in Syria in the last 5 years? With over 200.000 killed, 7 million internally displaced and 2 million refugees, out of a population of 17 mio., it seems similar. But there is no systematic killing going on. There is no ethnic cleansing, and they dont smash babies' heads against trees to kill them. Has humanity improved? There is Yemen aswell. And Lybia, Nigeria, Sudan and Mali. I dont know these countries. I might only visit them 40 years after their respective wars, I might visit memorial centers of genocides, wondering, how this was possible back im 2016, when I was 31, working for the Swiss Embassy and Die Hard 6 was released.

No, this is not my last word. I still think things have changed to the better. Since WW1 war is no legal option of politics. We have the UN, which - I admit - is highly disfunctional, but it exists. We have less despotic rulers worldwide, who would be able to orchestrate a genocide this cruel and of this measure, only comparable to the Holocaust.
Then of course there is reason for thinking that this world as we have it now, although far from perfect (but possibly improving) is based on a systematic exploitation of people and natural resources. The very moment ressources diminish and industrial production of food becomes a problem, the dice will roll again. And knowing what humans are capable of, seeing it in these museums and memorial centers makes my stomache ache.

This ending was nothing better than the previous one. So let's try one more last time. Knowing the cruelty of human beeings you also wittness the love and compassion humanity is capable of daily. There are good-willed people working on solutions. Hard working, day for day, and their work matters. Every persons contribution can matter, no, more than that: is necessary facing what we face today. Most people (me, above all) have lazyness stand in the way of doing something usefull. I am done with is. I will try and find a work that matters. That educates or communicates or mediates. That could be a goal for 2016.
(Funny how I made a freakin' New Years Resolution out of a genocide. Sorry for that.)